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Das Nadelöhr

Am Nädelchen das Nadelöhr,

das kam sich allzu offen vör,

so hohl und auch so öhrig.

Es fühlte sich als bloßes Loch,

sobald ein Faden näher kroch,

war ihm das Öhr gleich hörig.



Wie gerne wär’s ein Nadelspitz,

dann hätt’s `ne Spitze ohne Schlitz

und könnte lustig stechen.

Es würde sich für jede Schmach,

für Scham und Gram und Ungemach

mit viel Gesteche rächen.



Jedoch als Öhr am Nadelrumpf,

da war es löchrig, blieb es stumpf,

dem Schicksal hohl ergeben.

Nur wenn es träumte, war es spitz,

es piekste sich von Ritz zu Ritz

mit Stichelei’n durchs Leben.