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Der Nadelspitz

Als wahren Hohn, als Aberwitz

empfand es oft der Nadelspitz,

andauernd zuzustechen. 

Er war so dürr und jämmerlich,

es drohte ihm bei jedem Stich

die Spitze abzubrechen.


Er wär’ so gern ein Nadelöhr,

ein hohler Fadentransporteur,

stabil gebaut und schlitzig.

Die Fäden schlüpften ihm durchs Loch, 

er hätt’ Gesellschaft noch und noch,

das wäre bunt und witzig.


Jedoch als Spitz am Nädelchen,

da zog er keine Fädelchen, 

er stach und wurd’ gemieden.

Nur träumend sah er sich umgarnt,

mit buntem Zwirn als Öhr getarnt 

und fand im Stumpfsinn Frieden.

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Und die Moral von der Geschicht’: 

Wie’s grade ist, so mag man’s nicht.