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Die Zwiebel

Wie eine Zwiebel schäl ich mich, 

wie eine Zwiebel quäl ich mich

durch Schichten und durch Lagen.

Doch jede Lage, jede Schicht

beantwortet bei weitem nicht

die vielen Lebensfragen.



Ich lege ab, ich zieh mich aus,

ich schlüpfe aus den Schichten raus,

mit jeder Schicht wird’s schlimmer! 

Ich spüre, dass ich innen drin

so unerhört verletzlich bin –

von Stärke ist kein Schimmer.



Und stoße ich intim, intern 

auf meinen aufgeweichten Kern

nach stundenlangem Strippen,

dann brenne ich, dann flenne ich,

ich werde zart und zimperlich

und drohe umzukippen.

Ich fühl mich wie ein rohes Ei

und bin für einen Nackedei 

ganz einfach zu sensibel.

Damit es niemand ahnen kann, 

zieh ich die Lagen wieder an

und spiel die harte Zwiebel.