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erlauben Sie mal

(2. Preis im POETICUS Literaturwettbewerb 2003)



Sie torkeln träge durch die Stadt

und eiern mit der Hüfte.

Am Unrat fressen sie sich satt

und bleiern durch die Lüfte.

Sie turteln hemmungslos und laut

und gurren für den Frieden,

und was ihr Magen nicht verdaut,

wird ätzend ausgeschieden.

Sie kleckern, wo es grad gefällt,

im Sitzen, Stehen, Laufen.

Da bleibt vom Schönen dieser Welt

am Ende nur ein Haufen.
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Das kann man doch den Tauben

nicht einfach so erlauben!


Sie wühlen sich durch Müll und Schutt,

durchstöbern Abfallhügel

und nagen jede Wand kaputt,

ob Sandstein oder Ziegel.

Sie flitzen flink und unbemerkt

durch Gassen und durch Gossen

und haben ihre Macht verstärkt

durch viele Artgenossen.

Sie haben Biss, sind kerngesund
,
sie wüten in den Städten,

versammeln sich im Untergrund

und stürmen den Planeten.

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Das kann man doch den Ratten
nicht einfach so gestatten!


Sie schlagen sich durch Wald und Flur,

sie trampeln alles nieder

und fräsen sich durch die Natur,

als gäb’s sie später wieder.

Ihr Müll begräbt den Blütenduft,

in Strömen fließt die Gülle.

Sie blasen Gifte durch die Luft,

zerstören Hab und Fülle.

Sie bilden sich wer weiß was ein

aufs Bildungsbarometer

und schlagen alles kurz und klein –

die Sintflut kommt ja später.
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Ob’s Männer sind, ob Frauen,

man müsste sie verhauen!