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Untergang

(veröffentlicht im Sammelband für satirische und humoristische Versdichtung, 
WILHELM-BUSCH-PREIS 2003)



O weh –
da taucht er weg, der rote Ball,

wird mitgerissen von des Stromes Wogen!

Bis eben war er leuchtend noch und prall,

jetzt hat’s ihn auf den Grund hinab gezogen!

O nein –
er wogt noch heftig auf und ab,

wird durchgeschüttelt von erzürnten Schnellen!

Doch schon versinkt er in sein feuchtes Grab

und wird bedeckt von schmutzig grauen Wellen.



O Graus –
mir wird so unbeschreiblich bang,

die Dunkelheit umklammert mich wie Zwingen!

Das ist das Ende nun, es ist der Untergang,

ich hör kein Täubchen gurren, keine Amsel singen.



O Schreck,
mich dünkt, es wird nie wieder Tag,

es dünkelt um mich her, es drückt die Stille!

Ich wag es jetzt, bevor ich länger klag,

und nehm sie ab – die dunkle Sonnenbrille.